
Die digitale Kunst ist eine sehr junge Form der Kunst, die man bis vor Kurzem nur im Internet fand. Das hat sich geändert! Mittlerweile werden "Jahrbücher zur digitaler Kunst" mit Fach- und Bildartikeln in hoher Auflage herausgegeben, ein "Digital Art Museum" verleiht den "digital art award" mit Listen von Künstlern, die die Entwicklungen der Digitalen Kunst geprägt haben. Und - last but not least - verleiht eine „Ars Electronica“ den „Oscar der digitalen Kunst”.
Dabei wurde der Begriff "Digitale Kunst" oder "computergenerierte Kunst" erst ab Mitte der 1990er Jahre gebräuchlich und ist eng verbunden mit dem Aufkommen der elektronischen Teckno-Musik - sowie mit der Revolution der Grafiksoftware, die das Malen und Gestalten am Computer erst möglich machte. Sehr schnell entstand eine Subkultur jenseits der üblichen Kunstkanäle, zu deren Pionieren Illustratoren, Grafiker und DJs zählten.
Die Vielfalt der Arbeiten zeigt eine sehr große Bandbreite und die Künstler selbst sind dazu übergegangen, ihre Arbeiten nach den Softwaretools zu benennen, mit denen die digitalen Kunstbilder erstellt wurden. Ähnlich wie beim Holzschnitt, dem Aquarell oder der Lithografie gibt es in der digitalen Kunst "Photopaintings", "3D-Bilder", "Vektorgrafiken", "Mathematische Kunst" oder "Mixed Media". Inhaltlich kann die Digitale Kunst entweder als Nachempfindung bzw. Weiterführung von traditionellen Kunststilen (z.B. digitale Pop-Art-Bilder) - oder als völlig neue Kunst-Komposition mit dem Computer als weiterführendes Werkzeug (z.B. Fraktale) entstehen.
Die Motive finden die digitalen Künstler im Banalen und Trivialen der Alltagskultur. Konsumprodukte, Urlaubsfotos oder Vektorgrafiken werden zur Kunst erhoben. Kennzeichnend für digitale Kunstbilder sind 2-dimensionale Darstellung und natürlich die (digital) erweiterte Farbpallette. Digitale Bilder haben eine besonders intensive Farbe, da sich mit dem Computer reine Farbflächen erzeugen lassen, die sich nicht mit anderen Trägern, wie z.B. Papier oder Canvas vermischen.
Rein Quantitativ dürfte die digitale Kunst mittlerweile einer der am meisten verbreitesten Kunstform sein. Woher kommt also die Faszination für die Digitale Kunst? Wahrscheinlich waren insbesondere folgende 3 Faktoren für die schnelle Verbreitung der digitalen Kunst maßgeblich:
(1) Digitale Kunst als Gegenbewegung zum akademischen Kunstbetrieb: Wurden Kunstbilder früher ausschließlich per Hand von langjährig geschulten (geübten) Künstlern gemalt, hat sich mit dem Aufkommen entsprechender Grafiksoftware wie Paintbox oder Adobe Photoshop der künstlerische Schaffensprozess deutlich reduziert und vereinfacht. Ein Schuss Kreativität und wenige Stunden reichen aus, um dekorative und kommerziell verwertbare Bilder zu erstellen.
(2) Das Internet: Jedes Bild bringt ein inhaltliches Anliegen zum Ausdruck. Und da Kunst auch immer eine Bühne der Darstellung sucht, wurde das Internet zur idealen Plattform der digitalen Kunst. Insbesondere das sogenannte Web2.0 als „Mitmachweb“ gepaart mit dem Community-Gedanken, dürfte zur Verbreitung in hohem Maße beigetragen haben.
(3) Einfachste Reproduzierbarkeit: Digitale Kunstbilder lassen sich schnell kopieren, reproduzieren und verfremden, so dass aus Abbildern leicht wieder neue Bilder (i.S.v. neuer Werkschaffungen) entstehen. Die Verbreitung wird zusätzlich gefördert durch eine quasi unbegrenzte Verfügbarkeit von Bildmaterial im Internet gekoppelt mit fehlenden Schutzrechten der geistigen Eigentümer.
Masse ist aber bekanntermaßen nicht gleich Klasse. Und das gilt insbesondere für die Kunst, wo der Konsument neben ästhetischen Ansprüchen auch ein gewisses Maß an geistiger Tiefe befriedigt wissen will.
Ob die digitale Kunst also an ihrer inflationären Verbreitung erstickt, oder zu einer vorherrschenden Ausdrucksform der bildenden Künste avanciert, bleibt abzuwarten.