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  • Die Ästhetik von Konsum und Medien - Pop Art in Köln

    Die Wahrheit ist, die Kunstgalerien werden überschwemmt von dem schwachköpfigen und nichtswürdigen Stil von Kaugummikauern, Backfischen und, schlimmer noch, Straftätern.“ Die zugespitzte, zu fragwürdiger Bekanntheit gelangte Einschätzung des amerikanischen Kunstkritikers Max Kozloff spiegelte 1962 eine weit verbreitete, ablehnende Haltung gegenüber der Pop Art wieder, die damals noch in ihren Anfängen stand. Diese Haltung vertraten vor allem Theoretiker und Künstler, die sich den Idealen einer seit Jahren etablierten gestischen Abstraktion verbunden fühlten.

    Wie auch andere Bezeichnungen avantgardistischer Kunstbewegungen kursierte der Begriff Pop Art anfänglich als Schmähwort, stand er doch für einen Verrat an den hehren Werten der künstlerischen Originalität und Genialität. Dennoch ließ sich im Verlauf der 1960er Jahre der Siegeszug dieser neuen und erfrischend direkten, mit visuellen Alltagszitaten spielenden Kunst nicht mehr aufhalten. Zu groß war die Akzeptanz einer breiten und maßgeblich auch finanzkräftigen Schicht, die der lebensnahen Thematik von Konsum und Massenmedien, einer kommunikativen und nicht selten mit Humor und wacher Ironie aufwartenden Kunst aufgeschlossen gegenüberstand. Diese Kunst gab sich nicht länger elitär und hermetisch, sondern sie sprach die Betrachter unvermittelt an und veranlasste sie in manchen Fällen sogar zur aktiven Teilhabe. Längst sind die Bilder und Objekte, die größtenteils vor über vierzig Jahren entstanden, zum festen Bestandteil von Museumssammlungen geworden. Nicht wenige ihrer Motive, etwa Andy Warhols Suppendosen, Roy Lichtensteins Comic- Gemälde oder die Flaggen von Jasper Johns, gehören zu den Ikonen der Moderne. Das diesen trotz der historischen Dimension immer noch der Reiz des Unverbrauchten anzuhaften scheint, liegt wohl maßgeblich in jener unmittelbaren Beziehung von Kunst und Realität begründet, die einige junge Künstler um die Mitte der 1950er Jahre neu definierten.

    Unabhängig voneinander formierten sich damals vor allem in England und den USA künstlerische Bestrebungen, die ihr Ziel weniger in der programmatischen Ausbildung eines neuen Stils sahen, als vielmehr im Ausdruck eines veränderten, modernen Lebensgefühls. So haben sich die Protagonisten dieser Strömung mitunter vehement gegen die einengende Klassifizierung unter das Etikett Pop Art verwahrt. Nicht zuletzt ihren amerikanischen Vorreitern, Jasper Johns, der bereits Mitte der 1950er Jahre Nachformungen banaler Alltagsgegenstände wie Glühbirnen oder Taschenlampen zu Kunstwerken erklärte, und Robert Rauschenberg, der in seinen Combine- Paintings von New Yorker Straßen aufgelesene Fundstücke verarbeitete, war dieser Terminus zu sehr an Haltungen der Populärkultur angelehnt und zu wenig auf das Reflektierende ihres Tuns gerichtet. Dennoch erweist sich der Begriff gerade aus historischer Sicht als brauchbar, um die Vielzahl an heterogenen Ansätzen zu fassen, die die moderne Großstadtrealität und Alltagskultur in einer grundsätzlich extrovertierten Kunst Verarbeitung verarbeiteten.

    Das Interesse an den Erscheinungsformen eines neuen, technikorientierten Zeitalters und einer alles überflutenden Trivialkultur orientierte sich in dieser Zeit maßgeblich an den USA. Dies gilt auch für einige junge Künstler – unter ihnen Richard Hamilton und Eduardo Paolozzi –, die sich bereits Ende 1952 am Londoner Institute of Contemporary Arts unter dem Namen Independent Group formierten. 1953 veranstalteten sie eine Schau mit dem programmatischen Titel Parallel of Art and Life, 1956 entwarf Hamilton das Plakat zur legendären Ausstellung This is Tomorrow. Als Collage, die bildnerische Versatzstücke aus Konsumwelt, Werbung und Comic, Wissenschaft, Technik und Erotik zusammenfügte, fächerte es bereits in wesentlichen Zügen das Bildvokabular der Pop Art auf. Zudem erstellte Hamilton eine Liste von Schlagwörtern – wie populär, massenproduziert, verbrauchbar, billig, witzig, sexy, spielerisch, auffallend, verführerisch –, die ihm als charkateristische Phänomene der Alltagswelt galten und den Zeitgeist treffend beschrieben. Diese Eigenschaften, waren für ihn sowohl als künstlerischer Untersuchungsgegenstand als auch als Maßstab für sein eigenes künstlerisches Schaffen von hohem Interesse. Mit ihrer Forderung, die aktuellen Zeugnisse der Massengesellschaft zum zentralen Thema einer lebensnahen Kunst zu machen, stand diese heterogene Gruppe von Malern und Bildhauern, Architekten, Kritikern und Historikern trotz ihres kritisch-differenzierten Blicks einer popular culture grundsätzlich positiv gegenüber. Im Unterschied zur Situation in England, wo die informelle Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg keine derart maßgebende Rolle spielte, war die Hinwendung zur Realität bei den jungen amerikanischen Künstlern wesentlich stärker aus einer Anti-Haltung gegenüber der etablierten Kunst des Abstrakten Expressionismus motiviert. Dieser erhob von New York aus alleinigen Geltungsanspruch als internationale Avantgarde.

    Das kreative Interesse an den Gegenständen des modernen Alltags entwickelte sich vor allem bei jungen Kunststudenten, die in einer ungegenständlichen, der persönlichen Gefühlswelt des Künstlers entspringenden Malerei nur noch sinnleere, unzeitgemäße Formeln ohne jeglichen Wirklichkeitsbezug sahen. Dass sich Künstler wie Johns und Rauschenberg bei dieser Rebellion weiterhin des malerischen Duktus einer gestischen Abstraktion bedienten, um reale Gegenstände oder Motive in ihren Bildwerken zu verarbeiten, macht deutlich, dass hier nicht die Tilgung einer künstlerischen Sprache, sondern vielmehr deren Öffnung und Aktualisierung in der Auseinandersetzung mit der Realität angestrebt war.

    Einen historischen Bezugspunkt für die Einbeziehung alltäglich vorgefundener Dinge bildeten zweifelsohne die Ready-mades der Dadaisten. Jedoch ging es in der Pop Art weniger um die provokative Erhebung des Fundstücks zum Kunstwerk, sondern vielmehr um einen unverstellten Blick auf die aktuelle Lebenswirklichkeit, der in einer Verflechtung von Kunst und Alltag seinen Ausdruck finden sollte. So stehen die realen Objekte hier selten für sich, sondern erscheinen vermittelt, sei es durch die Einbindung in einen übergeordneten Bildkontext, die Nachformung in einem anderen Material oder die Veränderung des Maßstabs bzw. die serielle Vervielfachung mittels Siebdruck. Da viele der späteren Pop Künstler vor ihrem Durchbruch bezeichnenderweise als Werbegrafiker, Reklamemaler oder Schaufenstergestalter arbeiteten, wussten sie um die Qualitäten populärer Sujets und die Möglichkeiten ihrer visuellen Aufbereitung. Ohne ein normatives Programm entstand so binnen weniger Jahre eine Kunst, die dem wachsenden und lange vernachlässigten Bedürfnis nach aktuellen, täglich vertrauten Bildwelten in hohem Maße gerecht zu werden vermochte In ihrer Offenheit ermöglichte sie eine je nach dem eigenen Verhältnis zur Außenwelt persönliche Lesbarkeit, sei diese nun kritisch hinterfragend oder bejahend optimistisch. Die Bilder zur Ausstellung finden Sie im im Onlineshop für Leinwandbilder

    Museum Ludwig 2012
    Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
    Telefon +49-221-221-26165
    Telefax +49-221-221-24114

  • Schmutzige Geschäfte

    Während der Durchschnittsdeutsche statistisch gesehen mehr als 300 Tage seines Lebens auf jenem stillen Örtchen verbringt, das manchem auch als Refugium der inneren Einkehr dient, lebten nach Angaben der WHO im Jahre 2010 rd. 2,6 Milliarden Menschen ohne Zugang zu einer Toilette. Mit einer Demonstration der besonderen Art versuchte nun die "German Toilet Organization" mit einem Happening der besonderen Art auf das Probelm aufmerksam zu machen. Herr Sim, ein Geschäftsmann aus Singapur, hat jüngst auf dem Potsdamer Platz 35 Papkameraden unter dem Motto: "Where would you hide?" installiert, die Ihre Notdurft notdürftig hinter einer Tüte, einem Stein oder einer Aktentasche verstecken.

    Sicherlich ist Humor immer das beste Mittel zur Förderung delikater Projekte, aber schwer verdaulich hingegen ist die Realität: In vielen Ländern Afrikas und Südostasien sterben täglich inbesondere alte Menschen, Frauen und Kinder an Diarrhöe und anderen hygenisch bedingten Krankheiten. Das eigentlich Problem, so Hr. Sim, sei die Konzentration der Entwicklungshilfe auf Wasserversorgung. Dies führt zu einer Vernachlässigung einer Abwasserentsorgung und einer WC-Kultur.

    Hoffen wir, dass sich die Lage bessert - auch für den Durchschnittsdeutschen

  • Pop Life - grafisch so elegant wie Fliegendreck?

    Schade, dass es schon vorbei ist! Die Ausstellung Pop Life vom 12. Februar bis 9. Mai 2010 in der Galerie der Gegenwart in Hamburg war wirklich einen oder gar mehrere Besuche wert! In der Ausstellung, die aus einer Zusammenarbeit der Tate Modern London mit der Hamburger Kunsthalle hervorging, wurden einige der bekanntesten Werke der POP Art aus den letzten 30 Jahren gezeigt, darunter auch diverse Werke von Titanen wie Warhol, Haring, Koons, Hirst Koons oder Murakami.

    Zu unrecht wurde die Ausstellung von den Medien im Vorwege verrissen: Die britische Tageszeitung The Independent spottete "eine zutiefst seichte Schau". Das Kulturmagazin Monopol urteile "Das Beste aus den 80er-, 90er-, Nullerjahren - und am Ende ist man platt wie nach fünf Stunden Hitradio." Der Spiegel frozelte gar "grafisch so elegant wie Fliegendreck: Wer kommt, um die Blockbuster der Kunstwelt zu sehen, wird an der glatten Oberfläche der Exponate abgleiten".

    Richtig ist, dass die Ausstellung mit Ihren starken visuellen Reizen die verführerische Atmosphäre eines skandalträchtigen Panoptikums hatte. In der gewollten Vermischung von Kunst und Kommerz sind jedoch auch viele herausragende Kunstwerke der Populärkultur entstanden. Die Warhol Maxime, dass gute Geschäfte die beste Kunst sei, ist zum Credo für eine Vielzahl jüngerer Künstler geworden, die sich und ihre Werke als Super-Brands vermarkten und dabei unverhohlen den materiellen Erfolg anstreben.

    Die bekanntesten Werke der Ausstellungen waren u.a. das goldhufige Kalb "False Idol" von Damien Hirst, die Porno-Persiflagen "Made in Heaven" von Jeff Koons, sowie eine Vielzahl von Frühwerken von Andy Warhol. Der Besuch einiger Ausstellungsräume war für Besucher unter 18 Jahren nicht gestattet.

  • Trends 2010-2020 - Ein Rückblick

    Trend
    Ein neues Jahr, neue Vorsätze, neue Ideen, neue Hoffnungen, neue Träume, neues Denken und große, großartige Ziele. Und dann die bange Frage: Was kommt tatsächlich? Was bringt das neue Jahr, dass Jahrzehnt? Nicht nur privat, sondern auch in gesellschaftlichen-, sozialen- und kulturellen Lebensbereichen.

    Während uns die Auguren vor dem letzten Dekadenwechsel mit Visionen, Trends und Analysen geradezu überrannten, war es um die Zunft nach dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends vergleichsweise still. Ein guter Anlass, diese Lücke über eine Retrospektive 2010 - 2020 zu füllen:

    => Lies mehr!

  • Die (Wieder-)Entdeckung der Romantik

    Mönch am Meer

    Wie so oft in der Geschichte, haben sich die stilbildenden Elemente der Romantik wie z.B. Gefühl, Leidenschaft, Individualität als Gegenbewegung zum vorherrschenden strengen, moralisierenden und logisch formalen Klassizismus entwickelt, der Ende des 18. Jahrhunderts schleichend abgelöst wurde.

    Während William Turner zum Vorreiter der Romantik in England avancierte (und in seinen Spätwerken fast den Schritt zur Abstraktion schaffte), wurden die deutsche Maler Caspar David Friedrich, Carl Blechen und Philipp Otto Runge zu den Hauptvertretern der deutschen Romantik. Allerdings fanden die Gemälde von Carl Blechen und Philipp Otto Runge zu Lebzeiten wenig Beachtung, wohingegen Caspar David Friedrich schon vor seinem Ableben als unbequemes Genie, großer Visionär und bedeutender Maler gefeiert wurde. Zu Recht!

    Kreative Gefühlsausbrüche wie „Wrack im Eismeer“ (1798), „Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) oder das aus meiner Sicht unerreicht, traurige Meisterwerk der Melancholie „Mönch am Meer“ (1825), dass auch schon mal als „Altarbild des modernen Menschen“ bezeichnet wurde, suchen in der Kunstgeschichte ihresgleichen.

    Mag sein, dass Bilder von solchem Schlag nicht mehr in die Wohnzimmer der Spaßgesellschaft passen oder das Spannungsfeld zwischen Hartz IV, Erderwärmung und Bankencrash ausfüllen.

    Schade ist es trotzdem! Gehören zu einem reifen, zugleich romantischen und aufgeklärten Lebensgefühl doch auch die Einsicht in unsere eigene Verlorenheit.

    Warten wir also auf die (Wieder-)Entdeckung der Romantik in der modernen Kunst.

  • Luder, Lustobjekt & Femmes fatales - Kunstbilder von Salome

    In der Kunstgeschichte gibt es wohl kaum eine Frauengestalt, die Künstler aus allen Epochen so sehr inspirierte wie Salome - jenes Mädchen, dass laut der biblischen Überlieferung Johannes den Täufer um den Kopf brachte.

    Kein Wunder, gilt Salome doch als als Inkarnation der Femmes fatales, als Verkörperung idealer Schönheit und knisternder Erotik.

    Salome, Tochter der Herodias und des Herodes (seinerseits Sohn von Herodes dem Großen), wurde von Ihrem Stiefvater Herodes Antipas während eines Festmahls gebeten, einen Tempeltanz aufzuführen. Dieser Tempeltanz (ursprünglich eine Allegorie auf den Tod und die Wiedergeburt der Natur, in der sich der Glaube an die weibliche Zauberkraft und Fruchtbarkeit ausdrückt), entzückte den Alten so sehr, dass Herodes ihr schwört: „Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches“. Dies führte jedoch nicht zur Aufteilung des Reiches, sondern auf Wunsch der Mutter zur Enthauptung Johannes’ des Täufers (dieser hatte über die Heirat zwischen Salomes Mutter und Herodes gelästert). Zu spät bereut Herodes sein voreilig gegebenes Versprechen, bittet Salome zu verzichten und fleht sie an, stattdessen seine kostbarsten Schätze anzunehmen. Schließlich gibt Herodes nach und überreicht dem Henker den Todesring. Der abgeschlagene Kopf wird Salome wunschgemäß auf einem silbernen Tablett dargebracht

    Auf der Bühne der Kunst wurde diese Story seit Jahrhunderten immer wieder neu in Szene gesetzt. Mal wird Salome als aufreizende Unschuld, mal als prophetenmordendes Luder gemalt. Zwischen 1905 - 1910 entwickelte sich aus dem aufkommenden Orientalismus eine regelrechte "Salome-Mania", wo bis auf den Schmuck dann auch alle Hüllen fallen......

    Bis heute hat dieser Mythos nichts an seinen Geheimnissen und Phantasien verloren. Und hier sind meine persönlichen Lieblingsdarstellungen von Salome

  • Faszination Digitale Kunst

    Digitale Kunstbilder

    Die digitale Kunst ist eine sehr junge Form der Kunst, die man bis vor Kurzem nur im Internet fand. Das hat sich geändert! Mittlerweile werden "Jahrbücher zur digitaler Kunst" mit Fach- und Bildartikeln in hoher Auflage herausgegeben, ein "Digital Art Museum" verleiht den "digital art award" mit Listen von Künstlern, die die Entwicklungen der Digitalen Kunst geprägt haben. Und - last but not least - verleiht eine „Ars Electronica“ den „Oscar der digitalen Kunst”.

    Dabei wurde der Begriff "Digitale Kunst" oder "computergenerierte Kunst" erst ab Mitte der 1990er Jahre gebräuchlich und ist eng verbunden mit dem Aufkommen der elektronischen Teckno-Musik - sowie mit der Revolution der Grafiksoftware, die das Malen und Gestalten am Computer erst möglich machte. Sehr schnell entstand eine Subkultur jenseits der üblichen Kunstkanäle, zu deren Pionieren Illustratoren, Grafiker und DJs zählten.

    Die Vielfalt der Arbeiten zeigt eine sehr große Bandbreite und die Künstler selbst sind dazu übergegangen, ihre Arbeiten nach den Softwaretools zu benennen, mit denen die digitalen Kunstbilder erstellt wurden. Ähnlich wie beim Holzschnitt, dem Aquarell oder der Lithografie gibt es in der digitalen Kunst "Photopaintings", "3D-Bilder", "Vektorgrafiken", "Mathematische Kunst" oder "Mixed Media". Inhaltlich kann die Digitale Kunst entweder als Nachempfindung bzw. Weiterführung von traditionellen Kunststilen (z.B. digitale Pop-Art-Bilder) - oder als völlig neue Kunst-Komposition mit dem Computer als weiterführendes Werkzeug (z.B. Fraktale) entstehen.

    Die Motive finden die digitalen Künstler im Banalen und Trivialen der Alltagskultur. Konsumprodukte, Urlaubsfotos oder Vektorgrafiken werden zur Kunst erhoben. Kennzeichnend für digitale Kunstbilder sind 2-dimensionale Darstellung und natürlich die (digital) erweiterte Farbpallette. Digitale Bilder haben eine besonders intensive Farbe, da sich mit dem Computer reine Farbflächen erzeugen lassen, die sich nicht mit anderen Trägern, wie z.B. Papier oder Canvas vermischen.

    Rein Quantitativ dürfte die digitale Kunst mittlerweile einer der am meisten verbreitesten Kunstform sein. Woher kommt also die Faszination für die Digitale Kunst? Wahrscheinlich waren insbesondere folgende 3 Faktoren für die schnelle Verbreitung der digitalen Kunst maßgeblich:

    (1) Digitale Kunst als Gegenbewegung zum akademischen Kunstbetrieb: Wurden Kunstbilder früher ausschließlich per Hand von langjährig geschulten (geübten) Künstlern gemalt, hat sich mit dem Aufkommen entsprechender Grafiksoftware wie Paintbox oder Adobe Photoshop der künstlerische Schaffensprozess deutlich reduziert und vereinfacht. Ein Schuss Kreativität und wenige Stunden reichen aus, um dekorative und kommerziell verwertbare Bilder zu erstellen.

    (2) Das Internet: Jedes Bild bringt ein inhaltliches Anliegen zum Ausdruck. Und da Kunst auch immer eine Bühne der Darstellung sucht, wurde das Internet zur idealen Plattform der digitalen Kunst. Insbesondere das sogenannte Web2.0 als „Mitmachweb“ gepaart mit dem Community-Gedanken, dürfte zur Verbreitung in hohem Maße beigetragen haben.

    (3) Einfachste Reproduzierbarkeit: Digitale Kunstbilder lassen sich schnell kopieren, reproduzieren und verfremden, so dass aus Abbildern leicht wieder neue Bilder (i.S.v. neuer Werkschaffungen) entstehen. Die Verbreitung wird zusätzlich gefördert durch eine quasi unbegrenzte Verfügbarkeit von Bildmaterial im Internet gekoppelt mit fehlenden Schutzrechten der geistigen Eigentümer.

    Masse ist aber bekanntermaßen nicht gleich Klasse. Und das gilt insbesondere für die Kunst, wo der Konsument neben ästhetischen Ansprüchen auch ein gewisses Maß an geistiger Tiefe befriedigt wissen will.

    Ob die digitale Kunst also an ihrer inflationären Verbreitung erstickt, oder zu einer vorherrschenden Ausdrucksform der bildenden Künste avanciert, bleibt abzuwarten.

  • VG-Bildkunst: Verraten aber nicht Verkauft!

    Unglaublich aber wahr: Von einem Betreiber eines der größten Internetshops für Gemälde-Reproduktionen, Kunstdrucke und Poster habe ich folgenden Sachverhalt über diverse Emails dokumentiert erhalten: Der Betreiber hatte sich erstmalig 2004 bei der VG-Bildkunst über Urheberrechtsverletzungen von verschiedenen Mitbewerbern beschwert. Die Urheberrechtsverletzungen resultier(t)en daraus, dass die Mitbewerber Gemälde-Reproduktionen von nicht-gemeinfreien (also urhberrechtlich-geschützen) Bildwerken z.B. von Picasso, Dali oder Lempicka beworben und zum Verkauf anboten. Insgesamt ging es um diverse Onlineshops, darunter auch Schwergewichte und Großhändler.

    Nun sollte man meinen, dass die VG-Bildkunst, die die Verwertungsrechte der Künstler vertritt und damit ihr Geld (und das der Künstler) verdient, solche Hinweise dankend aufnimmt und sofort tätig wird. Doch überraschenderweise geschah nichts dergleichen. Erst nach erneuter Erinnerung (mit Kopie an den Vorstand) erhielt der beschwerende Betreiber die lapidare Antwort, dass die rechtsverstöße der genannten Online-Shops der VG-Bildkunst bekannt seien. Man bedaure jedoch (!) selber keine Rechtsschritte gegen die Betreiber einleiten zu können, da der Sitz der Geschäftsführung nicht in Deutschland, sondern im Falle der oben genannten Shops in Österreich, der Schweiz bzw. Spanien liege. Man habe diese Vorgänge jedoch den entsprechenden Landesvertretungen der VG-Bildkunst zur Kenntnis gegeben. Damit sei gewährleistet, dass die Urheberrechtsverletzungen in Kürze von den Landesvertretungen geahndet werden. Das war in 2004!

    Nachdem die deutsche Rechtssprechung im Laufe der Zeit den Schutz des geistigen Eigentums im Internet zunehmend härter abstrafte, meldete sich 2007 der beschwerende Betreiber erneut bei der VG-Bildkunst und gab Hilfestellung: Alle Domains seien über eine .de-Domain registriert (eine .de-Endung generiert bessere Platzierungen bei den Suchergebnissen für Abfragen im großen, kaufkräftigen Google-Deutschland Markt). Jede .de-Domain muss bei der Denic mit einem sogenannten Admin-C (Voraussetzung: Sitz in Deutschland) gemeldet sein. Nach einstimmigen Gerichtsurteilen verschiedener Landesgerichte kann der Admin-C (mit Sitz in Deutschland) auch für die Inhalte einer Webseite bzw. für Urheberrechtsverletzungen einer Webseite haftbar gemacht werden. Wenn also die Landesvertretungen der VG-Bildkunst in Österreich, der Schweiz oder Spanien nicht tätig werden, die Firmensitze aber in diesen Ländern liegen, wieso nicht den Admin-C in Deutschland haftbar machen? Gute Idee? Grundsätzlich ja! Aber? Die VG-Bildkunst ist nicht zuständig, weil die Betreiber den Sitz der Geschäftsführung nicht in Deutschland haben. Man habe diese Vorgänge jedoch den entsprechenden Landesvertretungen der VG-Bildkunst zur Kenntnis gegeben und sei sich sicher, dass die ureberrechtsverletzungen in Kürze geandet werden. Das war in 2007!

    Man schreibt das Jahr 2009. Immer noch gehen "Detailgetreue handgemalte Ölgemälde" von Tamara de Lempicka bei Shops wie "1a-reproduktionen.de", "art-palazzo.de" oder "toucanart.de" ab 30 Euro über den virtuellen Ladentisch. Die seriösen Anbieter von Kunstdrucken ächzen unter der Wirtschaftsflaute, steigenden Lizenzgebühren für Verwertungsrechte und natürlich unter der Konkurrenz der schwarzen Schaffe, die über Name-Dropping und Produkten die kein anderer Shop hat, die Besucher auf Ihre Seiten ziehen.

  • Der schmale Grad: Aktmalerei zwischen Kunst und Porno

    Kunst oder Porno?
    Laut Sigmund Freud - dem Über-Ich der frühen Psychoanalyse - ist der Ausgangspunkt der kulturellen Entwicklung die Triebsublimierung bzw. der Triebverzicht in Form von geistigen und schöpferischen Tätigkeiten, insbesondere auch der Kunstmalerei (siehe „Das Unbehagen in der Kultur“ 1930). Demnach bewirkt die Sublimierung der Triebe hin zu Kunst und Wissensdrang, dass dem Menschen die Nichterfüllung der primären sexuellen Wünsche nicht schadet.

    Betrachtet man die explizite Aktmalerei z.B. von Egon Schiele, Otto Müller, Edgar Degas, Toulouse-Lautrec oder allen anderen bekannten Aktmalern (seit der Renaissance gehört das Studium des menschlichen Körpers zur Ausbildung an Kunstakademien), ist es kaum zu glauben, dass bei solchen expliziten Darstellungen des Malers Pinsel trocken bleibt. Dennoch gelten Gemälde wie z.B. Gustavs Courbets "Der Ursprung der Welt", mit der detaillierten Abbildung des weiblichen Geschlechtsorgans bis Heute gemein hin als Meilensteine der Kunstmalerei - nicht als Pornografie. Aktbilder sind salonfähig - Porno ist Schmuddel. Darf ich das Bild "Der Ursprung der Welt" auch 15 oder 14 Jährigen Kindern zeigen? Oder gibt es auch bald im Louvre eine Altersgrenze mit FSK-Überwachung?

    Aus dem "Wissen der Vielen" (Wikipedia) erfolgt die Abgrenzung zwischen Aktmalerei und Pornografie dahingehend, dass die "Aktmalerei hingegen der Pornografie

    (1) keine sexuelle Erregung beabsichtigt und neben einem

    (2) ästhetischen auch durch einen handwerklichen Anspruch auch durch gekennzeichnet ist".

    Einen (2) „ästhetischen und handwerklichen Anspruch“ würde wohl auch so mancher Pornoproduzent für seine Filme in Anspruch nehmen (unvergessen hierzu: „Boogie Nights“ ein Spielfilm von 1997, der die pornografische Filmszene der späten 70er und frühen 80er Jahre aus Sicht des jungen Pornostars portaitiert).

    Auch mit der (1) „beabsichtigten sexuellen Erregung“ (mittlerweile wohl auch informelles Nebenziel jeder zweiten Werbekampagne) ist das so eine Sache: Gibt es überhaupt ein allgemein gültige Trennlinie zwischen Kunst und Porno? Oder ist diese jeweils nur durch den Gesetzgeber des jeweiligen Landes bzw. der vorherrschenden Moralvorstellungen des Landes bestimmt? Ist in einem Land schick, was im anderen schmuddel ist? Ganz gewiss!

    Bis Heute obliegt die Entscheidung, was Pornografie und was Kunst ist, der Judikative. Einerseits schützt das deutsche Grundgesetz explizit die Kunst: Die Kunst ist frei und die Freiheit der Kunst ist in Art. 5 Abs. 3 GG ohne Vorbehalt gewährleistet. Andererseits gibt es den Jugendschutz u.a. Gesetzte die zum Verbot, (Indizierung) und zur Zensur führen. Der gesellschaftliche Dissens zu dieser Frage ist nicht aufgelöst. Bis heute.

  • Kunstbilder im Internet vermarkten - Tipps und Tricks!


    Kennen Sie den wesentlichen Unterschied zwischen Vincent van Gogh und Pablo Picasso? Nein, wirklich nicht? Dann gucken Sie in den schlauen Ratgeber von Frau Carole Katchen "Kunst erfolgreich verkaufen". Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Künstlern sei - so Frau Katchen - dass Vincent van Gogh arm und Pablo Picasso reich gestorben ist. So einfach ist das! Nachfolgend gibt Frau Katchen viele Tipps, wie man als Künstler reich und berühmt wird: Etwa durch "einen Ruf als professioneller Künstler aufbauen" oder "Sammler hegen und pflegen". Aha! Es folgt die Erkenntnis: "Kunst zu verkaufen ist keine Zauberei". Na dann!

    Tatsächlich tun sich im Zeitalter des Internets den Kunstmalern - ob Laie oder ambitionierter Profi - eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, die eigenen Werke erfolgreich als Original oder Reproduktion zu vermarkten. Mittlerweile haben sich im Web verschiedene Alternativen herausgebildet, die zur Vermarktung eigener Kunstbilder geeignet sind.

    I. Herkömmliche Galerien mit Internetauftritt

    Der Galerist präsentiert die Kunstwerke auf von ihm veranstalteten Kunstausstellungen bzw. auf dem Webauftritt der Galerie. Dabei pflegt er einen engen Kontakt zu "seinen" Künstlern und organisiert Ausstellungen. Tendenziell wird der Galerist eher "akademische Kunst" im hochpreisigem Segment vermarkten wollen. Dabei muss der Galerist für die eigenen Bildwerke gewonnen werden. Zwar erleichtert das Internet nach Galeristen, nicht jedoch das Auswahlverfahren für die Künstler.

    II. Portale & Communities

    Inzwischen gibt es diverse Portale und Communities für Künstler und Kunstliebhaber. Manche sind stylish auf Web 2.0 gebürstet, andere recht fad und überschaubar. Künstler können die eigenen Bilder einem großen Publikum schnell und in der Regel kostenfrei zugänglich machen. Oft kann der Künstler seine eigenen Bilder auch als Originale oder Reproduktion zum Verkauf anbieten. Als Nachteil für den ambitionierten Künstler ist die Tatsache, dass jeder alles an Bildern hochladen kann uns somit die Qualität der Bilder nur selten kaufkräftiges Publikum anlockt. Häufig bleibt die Community unter sich. Spaß macht´s trotzdem.

    III. Professionelle Poster- und Kunstdruckshops mit Artist-Publisher Programm

    Zunehmend bieten auch professionelle Poster- und Kunstdruckshops so genannte "Artist-Publisher Programme" an. Durch die Teilnahme an einem Artis-Publisher Programm erhält der Künstler die Möglichkeit, seine Bildwerke als Poster, Kunstdruck oder Ölgemälde-Reproduktion kostenlos über den Postershop zu vermarkten. In der Regel werden nicht die Originale vermarktet, sondern der Künstler tritt hier als Lizenzgeber auf. Gefragt ist weniger akademische Kunst, sondern dekorative Lifestyle-Bilder. Künstler die es geschafft haben, in ein Artist-Publisher Programm aufgenommen zu werden, haben den Vorteil, dass Sie Ihre Bilder in der Regel einem großen, kaufwilligen Publikum präsentieren können.

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